Ehemann verhungert in der Küche

geschrieben am 25. März 2010 um 08:44

Das ist doch mal ne Schlagzeile. Natürlich ist sie gelogen und übertrieben, aber betrachten wir das Ganze doch mal genauer.

Meine Frau ist süchtig … wollsüchtig … Sie hat ne Wollmeise, gibt sie selber zu. In medizinischen Fachkreisen spricht man von Wollaholismus.

Es fängt ja ganz harmlos an. “Schatz, ich fang an zu stricken. Dann hast du schöne warme Socken.” “Ja mach mal mein Gänseblümchen”

PENG … soooooo harmlos fängt es an.

Man antwortet unbedacht, ohne sich der Tragweite einer solchen Antwort bewusst zu sein. Man kennt das ja aus der Geschichte, da ist das auch öfters passiert …

“Papa, kann ich mal dein Taschenmesser haben?” “Klar doch Brutus.”

“Käpt’n, ist das da vorne ein Eisberg?” “Und wenn schon, wir sind unsinkbar.”

“Wäre doch klasse wenn ich das Stricken wieder anfange, Schatz” “Ja mach mal, mein Gänseblümchen”

Dann fängt es an.
Begriffe wie linke Masche, rubbeln, Fersenaufschlag, Zunahme und Rechtsgerubbelteumschlagmaschen beherrschen das Tagesgespräch. Jedweder romantische Annäherungsversuch wird liebreizend mit  dem Hinweis beantwortet “Nur noch zwei Reihen, Hase. Nur noch zwei Reihen”

Das Sofa, der Stolz des Eigenheimbesitzers und abendlicher Ort der Meditation und Ruhe, ist belagert … von Wollknäuln, Nadeln, Strickanleitungen … “Schatzi, ich räum das nachher gleich weg … nur noch schnell die zwei Reihen”

Wer den Kampf mit dem Hund um das Körbchen verliert muss sich mit dem harten Stuhl zufrieden geben.

“Schatzi schau doch mal , diese Farben.”

Aha, der Briefträger war wieder da. “Ja ähm … rot. Und Blau.”

“Ach du hast gar keine Ahnung von Wolle. Das ist “Frühlingserwachen im Herbst” und ” Meeresäuseln bei  Mondenschein”. Nicht nur rot und blau.” “Ja Schatz, jetzt wo du das sagst.” “Ich könnte ja Socken daraus stricken.” “Gerne, ich finde blau nicht schlecht” “Nicht für dich. Deine Füße sind zu groß. Da stricke ich ja ewig. Ich mach die für meine Mutter, die hat kleinere Füße.”

Aha …
War man vor Jahren noch der Meinung dass Liebe durch nichts zu erschüttern ist, wird Zuneigung und Beachtung jetzt von der Schuhgröße abhängig gemacht. Klasse … ich hab verloren mit  Größe 43.

“Wann gibts denn Abendbrot, mein Zauberkeks?” “Nur noch die zwei Reihen …” “hm … ich koch dann mal was für uns. Strick du ruhig solange weiter.”

“…“

“Schatz?” “Ja ich hab dich gehört. Stör mich doch nicht dauernd bei dieser Ferse …”

Die Abende verbringt man gemeinsam vor dem Fernseher … strickend … zumindest die Dame des Hauses. Körperliche Annäherungsversuche werden mit Hinweis auf das komplizierte Muster vertagt: “Nicht jetzt Schatz”

Na gut dann eben anders … “Mein Schmetterling”

“ja?” “Wie wäre es denn wenn du dir Dessous strickst?” “Hast du nen Knall? Sowas ziehe ich doch nicht an.” “Ich mein ja nur …”

Mit der Zeit wird man selbst zum Experten … erkennt komplizierte Muster, kann Nadelstärken unterscheiden, weiß welche Firma die bevorzugten Wollstränge liefert und lernt dass man auf verlorenem Posten steht.

Die Schubladen und eigens gefertigten Regale quellen über vor Sockenpaaren, Wollsträngen und gewickelten Knäulen. Die eigenen, längst vergessenen, hausmännlichen Fähigkeiten erwachen aus dem Dornröschenschlaf, in dem sie seit der Jungesellenzeit geschlummert haben.

Dosenbohnen und Bratwurst werden zur kulinarischen Delikatesse erklärt. Man gewöhnt sich an die regelmäßigen Fahrten, um Wollpakete abzuholen. (in meinem Fall 50 km EIN Weg)

Ach was solls … irgendwann geht das vorbei … dauert ja höchsten zwei Reihen.

/Thorsten

😉

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  1. Dryade meint:

    Oh wie genial 🙂
    Mein Mann fragt an, ob dein Mann Lust hat gemeinsam mit ihm eine „Interessengruppe“ der „von ihren strickenden Hausfrauen vernachlässigten Ehemännern, mit zu großen Füßen“ zu gründen 🙂 …

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